2006/10/27

Peter Markus: Taiko Do

Nach dem Studium fernöstlicher Kampfkünste widmete sich Peter Markus dem Aufbau einer Kampfsportschule in Düsseldorf und setzte sich mit der alten Tradition und Kunst des japanischen Trommelns auseinander.

Der Ausschnitt aus dem Buch 'Taiko Do' von Peter Markus soll Ihre Aufmerksamkeit auf eine Möglichkeit richten mit Rhythmus zu arbeiten.

"Der alte Mann sprach davon, daß ein Rhythmus, der von außen auf einen Menschen einwirkt, von einem geübten Meister sehr schnell auf den Bewegungsrhythmus eines Kämpfers abgestimmt werden kann und der Meister, wenn diese Abstimmung vollzogen sei, die Bewegungen des Kämpfers steuern und empfindlich stören könnte.
...
Er bat die beiden Lehrer einen Kampf mit den Techniken des Gibbon Stils auszutragen, setzte sich mit seiner Trommel im Schoß in ihre Nähe und begann einen leisen, gleichbleibenden Rhythmus zu schlagen.
Aufmerksam beobachtete er die beiden Kämpfer und ihre Bewegungsfolgen. Nach einiger Zeit änderte er den Rhythmus seines Trommelns.
Zu Beginn steigerte er ihn immer nach einer Aktion eines der beiden Kämpfer. Dann schob er sich mit der Steigerung immer näher an die Aktionen heran, bis er schließlich genau bei ihnen lag.
Er hielt diesen Zustand der Synchronizität über längere Zeit bei.
Beide Kämpfer gewöhnten sich schnell an diesen, ihre Aktionen harmonisch begleitenden Rhythmus. Sie begannen eine Kampfaktion und synchron dazu steigerte sich der Rhythmus.
Der ersten Manipulation wurde ich mir bewußt, als ich bemerkte, daß sich die Länge des Rhythmus änderte und dadurch eine sinnlose Verlängerung der Kampfaktionen erzeugte.
War der Rhythmus zu Beginn nach jeder Aktion sofort zurückgegangen, behielt der alte Mann die Rhythmusänderung nach den Aktionen bei, steigerte sie zum Teil noch und verführte so nach anfänglicher Irritation beide Kämpfer dazu, ihre Aktionen zu verlängern.
Auch wenn dadurch offensichtlich kein entscheidender Schlag anzubringen war, gingen beide darüber hinaus ungewöhnliche Risiken ein. Langsam schob sich der Rhythmus immer weiter in den Vordergrund. Die Kämpfer wurden zu hilflosen Marionetten. ..." (Markus, Peter, 1997, 46f.)

Rhythmus, als Einteilung der Zeit, bietet Möglichkeiten der Einflußnahme, die nicht nur in Kampfkunst und Selbsterfahrung genutzt werden können.

Quelle:
Markus, Peter (1997) Taiko Do. Der Trommelweg. Wurzeln und Visionen des japanischen Trommelns. Engerda: Arun-Verlag.

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