2006/09/08

Shibusa Shirazu Orchester 2007 wieder in Moers?














Shibusa Shirazu Orchestra 2005 in Moers, Foto: Gerd Fierus

Im Gästebuch des Moers Festival (http://www.moers.de/festival) bittet J. Karmann aus Sariyer-Istanbul am 31.8.2006 das Shibusa Shirazu Orchester wieder zu buchen, da er unter Entzugserscheinungen leide. Doch Herr Karmann ist nicht der einzige, der dieses Problem thematisiert.

Offenbar wirkten die Künstler des Shibusa Shirazu Orchestra derart intensiv auf menschliche Organismen, dass sich die Frage nach einer Ersatzdroge auch in dem - übrigens bebilderten - Beitrag im Rollingstone stellte:
http://www.rollingstone.de/forum/showthread.php?t=14231

Da die Musikwirkungsforschung nicht nur in den künstlerischen Therapien zu den faszinierenden Forschungsgebieten gerechnet wird, werden sich vom 1.10. bis 4.10.2006 Wissenschaftler unterschiedlicher Fachgebiete auf dem Kongress Mozart&Science mit der Wirkung von Musik in der Medizin befassen. Zu den angekündigten Referenten gehören Karl Hörmann (Musik in der Heilkunde), Manfred Spitzer (Musik im Kopf), Antonio R. Damasio (Descartes' Irrtum), siehe:
http://www.mozart-science.at

In der modernen Neurowissenschaft werden intensive Glücksgefühle mit der Ausschüttung körpereigener Endorphine erklärt. Künstler, wie die des Shibusa Shirazu Orchestras, können sehr intensive Effekte erreichen, und diese können mit neuen Forschungsverfahren untersucht werden. Karl Hörmann betont die enge Verbindung von Musik und Tanz in seiner multimodalen Musiktherapie. Manfred Spitzer ist bekannter neurologischer Spezialist für die Musikverarbeitung im Gehirn. Antonio R. Damasio schlägt mit seinen Fachbüchern Brücken zwischen Neurologie und Philosophie.

Während die Ergebnisse der Musikwirkungsforschung mit klassischen Laborexperimenten wenig spektakulär waren, bietet die moderne Neurowissenschaft etwas mehr.

Bildgebende Verfahren, mit denen im 21. Jahrhundert die Wirkung von Musik auf das menschliche Gehirn untersucht wird, begegnen der Komplexität ihres Forschungsgegenstandes in adäquaterer Weise, als die zumeist auf das klassische Laborexperiment reduzierte Methodik des vergangenen Jahrhunderts.

Während das klassische Laborexperiment gerade an komplexen Forschungsobjekten scheitern mußte, ermöglichen die modernen Verfahren medizinischer Diagnostik das Gehirn und den menschlichen Organismus bei der Verarbeitung von Musik zu beobachten.

Die wissenschaftlich anerkannte Forschung erweiterte ihren Gegenstandsbereich und dabei rückte auch das komplexe Gebiet der Wirkung von Musik zunehmend in das Interesse der Forschung.

Das Shibusa Shirazu Orchestra präsentiert sich dem Publikum nicht nur mit differenzierten akustischen Reizen, denn sehr unterschiedliche Künste kommen zum Einsatz. So bieten nicht nur die Butoh-Tänzer wesentliche Beiräge zur gesamten Performance. Da diese künstlerische Performance auch nur in unzureichender Weise mit bloßen Worten beschrieben werden kann, erinnern wir hier an den Ausspruch der amerikanischen Performancekünstlerin Lauri Anderson, nach dem über Musik zu reden wie zur Architektur zu tanzen ist.

Auch die Ergebnisse von Mozart&Science werden wohl nicht alle Erfolgsgeheimnisse von Shibusa Shirazu erklären. Beschreibende Worte können eine multimodal erlebte Realität nicht 1:1 ersetzen, wie eine Landkarte keine Landschaft zu ersetzen vermag.

Aus diesem Grunde wird auch bei Mozart&Science nicht nur über die Wirkung von Musik gesprochen, sondern auch musiziert.

Ich persönlich freue mich auf den wissenschaftlichen Kongress, und ich erfreue mich auch an der Vorstellung, das Shibusa Shirazu Orchestra möglicherweise zu Pfingsten 2007 wieder in Moers erleben zu können.

Quellen:

Damasio, Antonio R. (2004) Descartes' Irrtum. Fühlen, Denken und das menschliche Gehirn. München: List Verlag.

Hörmann, Karl (2004) Musik in der Heilkunde. Lengerich: Pabst Science Publishers.

Spitzer, Manfred (2002) Musik im Kopf. Hören, Musizieren, Verstehen und Erleben im neuronalen Netzwerk. Stuttgart: Schattauer Verlag.

Kommentare:

dagobert hat gesagt…

sehr geehrtes musiklabor,

vielen dank für das unterstützenswerte engagement, das shibusa shirazu orchestra erneut zum moers-festival zu ködern. ich drücke uns allen die daumen, dass dieses vorhaben von erfolg gekrönt ist.

jeden tag ein shibusa shirazu konzert, und die welt wird ein besserer ort ;-)

mit lieben grüssen,
dagobert@RS-forum

Musiklabor hat gesagt…

Sehr geehrter dagobert,
vielen Dank für Ihre nette mail,
mit besten Grüßen
Musiklabor

Anonym hat gesagt…

Liebes Musiklabor:
auch ich zähle zu den Glücklichen, die Shibusa Shirazu in den vergangenen Jahren in Moers erleben durften. Wenn mich heute jemand nach dem Begriff "Spielfreude" fragt, dann ist Shibusa Shirazu die Antwort darauf. Als Kultur-Redakteur habe ich vieles gesehen, aber Shibusa Shirazu ist nicht zu toppen.. Hoffentlich können wir das Orchester bald wieder erleben.

Hans-Peter Linz, Trier

Anonym hat gesagt…

...wenn ich mir das Foto so anschaue, müssten wir vor zwei Jahren im Fotografengraben nebeneinander gestanden haben...
ich hatte eine Nikon D 100 dabei..
besten Gruß
Hans-Peter Linz

Musiklabor hat gesagt…

Sehr geehrter Herr Hans-Peter Linz,

ich freue mich sehr über Ihre Zeilen. Das gemeinsame Erlebnis des Shibusa Shirazu Orchestras wirkt offenbar nicht nur auf mich katalysatorisch. Die Künstler des Orchestras vermögen scheinbar ein Gefühl der Verbundenheit zu erzeugen, welches von mehr als Einzelnen noch Jahre nach der Attraktion reproduziert werden kann. Damit gehören die Künstler des Shibusa Shirazu Orchestras zu denen, die eine besondere Tiefenwirkung, eine nachhaltige Eindrücklichkeit zu erreichen vermögen.
Fototechnisch habe ich übrigens kürzlich von einer Sony Cybershot auf eine Nikon D50 erhöht. Ob es sich bei den auf dem Foto erkennbaren Flecken um werterhöhende Schweißflecken von Moersfans handelt, kann ich heute leider nicht mehr unanzweifelbar nachweisen.

Mit besten Grüßen
Gerd Fierus

 
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